Shodo - Was ist das?

 Im japanischen Schriftsystem werden Kanji, Hiragana und Katakana gleichzeitig verwendet. 

Im japanischen Schriftsystem werden Kanji, Hiragana und Katakana gleichzeitig verwendet. 

Shodo (書道) kann direkt mit Kalligraphie oder mit dem „Weg des Schreibens“ übersetzt werden.  Es  setzt sich aus den Zeichen SHO 書für Pinsel und DO 道für Weg zusammen und meint japanische Schriftkunst. Sein Ursprung liegt in der chinesischen Kalligrafie, die mit den buddhistischen Schriftrollen im 6. Jahrhundert nach Japan gelangten. 

Um Shodo praktizieren zu können, ist es gut einen kurzen Überblick über das japanische Schriftsystem zu haben. Der Japanologe Wolfgang Hadamitzky hat das in seinem Lernbuch und Lexikon "Kanji und Kana - Die Welt der japanischen Schrift in einem Band" sehr schön zusammengefasst:


Das japanische Schriftsystem

Japanisch schreibt man mit einer Mischung aus drei Schriften: 

Kanji
Die aus dem Chinesischen übernommenen Wortschriftzeichen benutzt man für Begriffswörter (haupsächlich Substantive, Verben und Adjektive) und einheimische  sowie chinesische Eigennamen.

Hiragana
Mit Hiragana schreibt man die flektierten Endungen der durch Kanji wiedergegebenen Begriffswörter sowie alle nicht in Kanji geschriebenen Wortarten (überwiegend Wörter mit lediglich grammatikalischer Funktion).

Katakana
Katakana benutzt man hauptsächlich für Fremdwörter und ausländische Namen, sowie als Auszeichnungsschrift (zur Hervorhebung einzelner Wörter z.B. in der Werbung). 

Quelle: Kanji und Kana, Lernbuch und Lexikon von Wolfgang Hadamitzky


Die Handschrift als solche wurde sowohl in China, als auch in Japan immer hoch geschätzt. Eine schöne Schrift ermöglichte oft erst den Zugang zu höheren beruflichen Positionen. Sie war auch immer Ausdruck eines kultivierten Geistes und eines kontrollierten Körpers. Buddhistische Priester nutzten und nutzen sie zu Kontemplation, Reflektion und Entwicklung für sich und ihre Schüler. 

 Katakana werden nicht nur für ausländische Namen, sondern gerne auch für Werbung und Gestaltung eingesetzt. Auf dem trendigen Sackerl steht Shibuya. 

Katakana werden nicht nur für ausländische Namen, sondern gerne auch für Werbung und Gestaltung eingesetzt. Auf dem trendigen Sackerl steht Shibuya. 

Was ist Do?

Shodo geht über das normale Schreiben hinaus. Genau wie auch in der westlichen Kalligraphie, ist nicht jeder der schreiben kann automatisch ein Kalligraph. Eine Einkaufsliste ist nicht allein weil sie geschrieben ist Kalligraphie. Shodo ist eine Kunstform. Sie ist vergleichbar mit Kunstformen wie mit dem Teeweg (Chado) oder den japanischen Kampfkünsten (Budo). Der Do (道) - also der Weg - verbindet sie. Do heißt, dass man anerkennt, dass Vollendung in einer Kunst eine lebenslange Aufgabe ist. Das eigene Entwicklung und Vorankommen keine Instanterlebnisse sind, die nach einer Stunde gemeistert werden. Aber es bedeutet auch, dass man - eben weil man Zeit und Bewusstsein hat - den Weg genießen kann und soll. 

 Shodo ist nicht einfach nur Schrift, sondern eine der ältesten Künste Japans. Hier sieht man ein Werk von Nagakoto Asano (1842-1937), der Feudalherr von Hiroshima, war. 

Shodo ist nicht einfach nur Schrift, sondern eine der ältesten Künste Japans. Hier sieht man ein Werk von Nagakoto Asano (1842-1937), der Feudalherr von Hiroshima, war. 

So fängt man an

Am Anfang lernt man Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier kennen. Man startet mit Kaisho 楷書, der Regelschrift, geht über Gyōsho 行書, der Semi-Kursivschrift, zu  Sōsho 草書, der Grasschrift. Dabei gibt es im Shodo einen klar definierte Rahmen, der jede Arbeit bestimmt: Arbeitsmaterial und -ablauf, Zeichen und Strichfolge sind genau festgelegt. Die Kalligrafie muss in einem Durchgang fertiggestellt werden. Nachbessern oder Änderungen sind nicht erlaubt. 

Was sehr streng klingt, hat aber seinen Zweck. Man lernt rasch, sich seinen eigenen Beschränkungen zu stellen – weil einem gar nichts anderes übrig bleibt. Gleichzeitig gibt es aber auch immer eine neue Chance es sofort besser zu machen als zuvor. Ein neues, leeres Blatt wartet schon. Wer sich der Herausforderung mutig stellt, findet in diesem Rahmen Sicherheit, Freude und Ruhe. Denn es ist klar was zu tun ist. Man muss es einfach nur machen... 

Elisabeth K. Fürst